Wandern auf Mallorca Die Wandergruppe „Grenzenlos“ im Heimatverein Mastholte war zum ersten Mal außerhalb Deutschlands unterwegs. Der Organisator der Gruppe, Werner Montag, wollte schon seit längere Zeit eine Tour auf Mallorca in die Wege leiten. Jetzt war es soweit. Siebzig Wanderfreunde haben sich für das Unternehmen angemeldet – eine Menge mit der niemand gerechnet hatte und die zu groß für eine Wandergruppe ist. Also mussten drei Teilgruppen mit verschiedenen Ansprüchen gebildet werden. Wer auf Mallorca wandern will, muss wissen, dass sich der Großteil der Insel – auch so abgelegene und unwirtliche Regionen wie die Gipfelbereiche der höchsten Berge – in Privatbesitz befindet. Das bringt es mit sich, dass verlässliche Wanderkarten und exakte Wegmarkierungen fehlen. Um Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen (Grundbesitzer mit Hund), hatte Werner Montag deutsche orts- und sachkundige Wanderführerinnen engagiert, die während der Wanderungen immer wieder ihr Wissen über Fauna und Flora und Geschichte und Kultur an die Wanderer weiter gegeben haben. Und sie erklärten jeweils die Hintergründe und Entstehung dieser Wege. So führten sie zum Beispiel die Gruppe auf den alten Fischerweg, auf dem früher die Fischer die Fische zum Trocknen über den Pass ins Landesinnere gebracht haben. Oder sie führten in eine Finca, in der es frisch gepressten Orangensaft mit frisch gebackenem Kuchen gab. Oder es ging auf den Reitweg bei Valldemossa, der eine interessante Geschichte hat und in etwa 900 Meter Höhe über einen Bergkamm führt, auf dessen Seite die Felswand fast senkrecht 800 Meter abfällt. Hier oben hat man einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen – wenn das Wetter es erlaubt.
Die offiziellen Wetterdaten sind meistens die Werte für Palma, das in einer ausgesprochenen Schönwetterlage liegt. In den Bergen kann das Wetter schnell umschlagen, weil die Wolken festhängen und sich nicht selten abregnen, während unten die Sonne scheint. Manchmal muss erst vor Ort über den zu gehenden Weg entschieden werden. Eine der drei Gruppen wurde so von einem Hagelschauer überrascht. Wandern auf Mallorca wird immer beliebter. Wer die Landschaft sieht und sich dafür interessiert, kann den Wunsch verstehen und dem auch nicht widerstehen. Im Westen erstreckt sich entlang der Küste ein Gebirgszug – die Serra Tramuntana – mit knapp 90 Kilometer Länge und etwa 40 Gipfeln über der 1000 m-Höhenlinie. Die Karren- und Reitwege und Wanderpfade sind streckenweise sehr steinig und geröllhaltig. Stabile Wanderschuhe sind empfehlenswert. Auffallend in der Landschaft sind die Terrassenanlagen im Gebirge, die auf die Zeit der Araber zurück gehen. Diese mauergestützten Flächen ermöglichen landwirtschaftliche Nutzung erosionsgefährtdeter Hänge. Und in dem subtropischen Klima der Insel und der unterschiedlich kulturell wirtschaftlichen Nutzung der Vergangenheit hat sich eine vielfältige Pflanzenwelt entwickelt, von denen etwa 7% endemisch sind, also nur hier vorkommen. Eine geologische Besonderheit Mallorcas sind die zahlreichen Tropfsteinhöhlen, die zum Teil auch zu besichtigen sind. Ein Teil der ostwestfälischen Urlauber besuchte auf einer Inselrundfahrt die wohl bekannteste und größte Europas, die „Drachenhöhle“ bei Portocristo mit einem 180 Meter langen See, auf dem täglich bei farbigen Lichteffekten auf Booten klassische Konzerte aufgeführt werden. Auf der Fahrt zur romantischen Bucht Cala Anguile, mit den von starken Wellen ausgespülten Felsen, war bei Cala Romantica eine größere Anlage mit im Rohbau stehen gelassenen Häusern als ein Beispiel der spanischen Baukrise zu sehen. Im Mai bewegen sich die Grenzenlosen wieder in Deutschland, vier Tage im Spessart.